Ladies‘ room – „Frauenzimmer

Langsam macht man sich für den Ansturm auf das „ungarische Meer“ bereit. Ein offiziell verordnetes Ende der Pandemie ist abzusehen, also steht einem Sommer im blaugrauen Wasser des Sees kaum mehr was im Wege. Er ist nur ziemlich teuer geworden, der Plattensee. Und die alten Gewerkschaftsunterkünfte, die Arbeitern und Angestellten günstige Möglichkeiten zur Sommerfrische boten, sind zugesperrt oder von Orbáns Umfeld aufgekauft. Dicht drängt man sich an den nur mehr wenigen Freistränden, mietet sich in billige Privatunterkünfte („Zimmer Feri“) ein, stillt den kleinen Hunger mit überteuertem Langosch, der in Frittieröl aus der Steinzeit gebacken wurde.

Die Zeiten, in denen Ost und West sich hier begegneten, sind lang vorbei, manche kommen aus Nostalgie zurück, aber trendy ist ein Urlaub an der ungarischen Riviera heute nicht. Dennoch treibt sich der ungarische Geldadel hier herum. Orbán, sein Schwiegersohn bzw. der Installateur und Freund Mészáros haben sich schon fast alles unter den Nagel gerissen und bauen Luxushotels und Segelhäfen. Für wen, fragt sich, in einem der ärmsten und korruptesten Länder Europas.

Trotz all dieser widrigen Umstände haben wir ihn gern, den See. Steht man am südwestlichen Ufer und schaut quer übers spiegelglatte Wasser, könnte man fast glauben, er habe kein Ende. Und man müsste sich nur ins Schinakel setzen und irgendwann käme man an, in Panama. Das ja ach so schön ist, wie uns Janosch gelehrt hat.
Doch plötzlich besinnt man sich und erkennt, dass man ja schon dort ist: im Panama, wie man im Ungarischen verwobene kriminielle Strukturen nennt.

Clemens Prinz

Diese Fotoserie mit dem Titel „Vorsaison“ ist der erste Teil unser hoffentlich unendlich langen Serie zum Balaton mit Ausflugs-, Einkehrtipps und anderem mehr. Die Bilder stammen alle von Angéla Vaszkó.

Von Redaktion

2 Gedanken zu „Vorsaison“
  1. Ich war schon ewig nicht mehr dort. Wenn ich mir diese Fotos ansehe, bekomme ich Sehnsucht, wieder dorthin zu fahren! Danke! Ich hoffe, dass ich eines Tages die Gelegenheit bekomme, wieder hinzufahren.

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