Stimmungsbilder – Viktor Orbans Angst- und Schreckensherrschaft erreicht jetzt auch 7-jährige Schulkinder. Eine kleine Geschichte am Rande der ungarischen Volksabstimmung vom 2. Okt. 2016.

Gastbeitrag

Wir alle wissen, am 2. Okt. 2016 war das ungarische Wahlvolk dazu aufgerufen, über die Ansiedlung nichtungarischer Menschen auf ungarischem Staatsgebiet abzustimmen. Genau lautete die Frage, ob durch den Rat der EU mit Sitz in Brüssel auch der Republik Ungarn Asylbewerber zur Aufnahme zugewiesen werden können. Dazu gab es eine monatelange Kampagne der ungarischen Regierung und Medien, die die Bevölkerung täglich mit Schreckensszenarien aus anderen europäischen Städten konfrontierte. Dazu folgende kleine Geschichte: 

Opa, bereits seit langem Rentner, holt seine kleine Enkeltochter in Pécs an der Schule nach dem Unterricht hat. Das kleine Mädchen, gerade mal 7 Jahre alt, wünscht sich sehnlichst eine kleine Spielzeugfigur, die es zur Zeit als Präsent bei einem großen Lebensmitteldiscounter gibt. Alle Schulkameradinnen haben bereits solche Figuren, also möchte Kira auch wenigstens eine haben. 
Opa geht mit Kira zur entsprechenden Filiale, auf dem Weg ist die Freude groß. Doch jähes Entsetzen im Geschäft: die Figuren sind ausverkauft! Kira weint. Kira ist das einzige Mädchen der Schulklasse ohne eine dieser Figuren…. Opa zerreißt es fast das Herz und er entschließt sich, das Auto zu nehmen und in eine andere Filiale zu fahren, in eine der kleinen Nachbarstädte. Die sind zwar alle 40 – 50 km entfernt, doch was soll’s, das Weinen des 7-jährigen Enkelkinds ist herzerweichend. 
Opa und Kira gehen zum Auto. Plötzlich stoppt Kira und sagt: „Opa, das geht doch gar nicht! Wir können nicht nach Komló fahren!“ und weint noch mehr. 
Opa fragt seine Kira: „Warum denn nicht, das Wetter ist schön und das Auto in Ordnung.“ Da sagt Kira: „Nein, Opa, wir können nicht aus Pécs hinausfahren! Um Pécs herum ist ein großer Zaun, damit die Migranten nicht hereinkönnen. Da kommen wir nicht durch und draußen ist es gefährlich!“ 
Opa ist zunächst sprachlos. Dann fragt er seine kleine Kira, woher sie das dann wisse? Kira sagt: „Im Fernsehen werden jeden Tag der große Zaun, Soldaten und Polizisten gezeigt, die aufpassen, dass die vielen bösen Menschen hinter dem Zaun bleiben. Und dann sagt ein Mann, wenn wir nicht wollen, dass diese Leute in unsere Stadt kommen, müssen wir am Sonntag zur Volksabstimmung gehen. Und überhaupt, auch auf jedem Bus hier, sogar auf den Schulbussen, ist ein Plakat, dass am Sonntag Volksabstimmung ist und alle hingehen müssen.“

B.Sch.

Von Redaktion

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