Gut 30 Milliarden Forint (ca. 90 Millionen Euro) Steuergelder hat die ungarische Regierung bisher für die Veranstaltung des Eucharistischen Weltkongresses der Römisch-Katholischen Kirche zur Verfügung gestellt.

Werbeinstallation für den Eucharistischen Kongress
im September 2021 in Budapest

Wegen der Coronapandemie wurde der Kongress verschoben und soll nun im September in Budapest stattfinden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und Höhepunkt der Zusammenkunft ist natürlich die vom Kirchenoberhaupt Papst Franziskus zelebrierte Messe. Auch Ministerpräsident Viktor Orbán und Staatspräsident János Áder würden den Papst gerne bei sich empfangen. Schließlich hat sich die seit 2010 von Orbán geführte Regierung sehr bemüht, die von den Kirchen in der ungarischen Gesellschaft eingenommene Rolle zu verstärken: eine Reihe von Schulen (insbesondere Gymnasien) wurde (unter Beibehaltung der staatlichen Finanzierung) kirchlichen Trägern übergeben, und dasselbe gilt für soziale Einrichtungen aller möglichen Art, die auch hinsichtlich der Finanzierung bevorzugt behandelt werden.
2013 wurde Religionsunterricht als Pflichtwahlfach an staatlichen Schulen eingeführt (mit Ethik als Alternative), aus staatlichen Mitteln werden bevorzugt Kirchenbauten im In- und Ausland saniert, und erst kürzlich wurden die Pflegeeltern in Budapest damit konfrontiert, dass sie statt wie bisher von einer staatlichen Stelle in Budapest in Zukunft von einer kirchlichen Einrichtung des Bistums Szeged-Csanád beaufsichtigt werden.

Papst Franziskus soll nun aber laut Medienberichten vorhaben, sich ausschließlich für die Dauer der Messe in Ungarn aufzuhalten und danach unverzüglich für drei Tage in die Slowakei zu reisen, ohne sich mit dem Ministerpräsidenten (der übrigens Calvinist ist), oder mit dem (katholischen) Staatspräsidenten zu treffen, was manche als Affront verstehen. Grund dafür sei laut einer polnischen Zeitung die flüchtlingsfeindliche Rhetorik der ungarischen Regierung und des katholischen Klerus in Ungarn. Schon 2015 gab es diesbezügliche Reibungen zwischen Ungarn und dem Vatikan, und in Ungarn gibt es Anhänger der Regierung, die dem Papst vorwerfen, „linksliberal“ und kein richtiger Katholik zu sein. So auch jetzt wieder: der rechte Publizist András Bencsik wirft dem Papst vor, christenfeindlich zu sein, wodurch er der christlichen Welt schade, während sein Kollege Zsolt Bayer (der vor drei Jahren von der evangelischen in die katholische Kirche übergetreten ist, weil er die evangelische zu liberal fand) der Ansicht ist, der Papst erfülle die Pflichten seines Amtes nicht. Übrigens haben sich die beiden Publizisten schon vor einiger Zeit darauf geeinigt, Benedikt XVI. als „echten“ Papst zu betrachten.

Laut Népszava sei im Vatikan zur Zeit noch nichts entschieden, und die Programmplanung werde erst im Juli abgeschlossen. Vizeministerpräsident Zsolt Semjén und das Oberhaupt der ungarischen Katholischen Kirche, Kardinal Péter Erdő sollen eigens in den Vatikan gereist sein, um den Papst umzustimmen. Die ungarische Bischofskonferenz hat inzwischen eine Pressemitteilung veröffentlicht, laut der auch weiterhin geplant sei, dass der Papst sich mit dem Ministerpräsidenten und dem Staatsoberhaupt trifft, die Vorbereitungen seien noch nicht abgeschlossen, und es entspreche nicht den Tatsachen, dass der Papst ausgeschlossen habe, sich mit jemandem zu treffen (woraus allerdings auch nicht folgt, dass das Treffen stattfinden wird). Man darf gespannt sein.

(Update vom 22. Juli 2021: Der Papst soll sich laut Magyar Kurir vor der Messe nun doch kurz mit Ministerpräsident Viktor Orbán und Staatspräsident János Áder sowie mit Vertretern des Eucharistischen Rates und jüdischer Gemeinsachaften treffen.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code