Von András Maros.

Frischen Lavendel hamma da!

Wär’ ich eine Frau und wär’ ich mit meiner Arbeitsstelle überhaupt nicht zufrieden, würde ich mich schleunigst nach etwas Anderem umsehen, is’ doch klar. In einem Blumengeschäft würde ich arbeiten. Wär’ ich eine Frau und wär’ ich mit meiner Arbeitsstelle überhaupt nicht zufrieden; und wäre ich eine Frau und würde ein Mann sein wollen, dann würde ich sicher nicht das machen, was ich jetzt gerade mache. Ich wäre ein bekannter Filmregisseur, der von einem Drehort zum anderen fliegt, in sündteuren Hotels wohnt, in deren Zimmern es Minibars gibt, angestopft mit teuren Getränken. Zuhause würden mich die Leute auf der Straße ab und zu anreden: “Herr Regisseur! Is’ diese Gwyneth Paltrow im richtigen Leben auch so eine heiße Schnitte, oder macht das nur die Schminke?”

“Gwynnie? Na, die schaut auch im richtigen Leben so aus.”, würde ich sagen und geheimnisvoll lächeln dazu. Männerträume: Renommee, Ruhm, Ansehen, Alkohol, Weiber – die Reihenfolge ändert sich mit der Jahreszeit. Das Weib hat ihren Herren stets und bei allem zu unterstützen.

Ich würde meiner Frau einen Blumenladen kaufen. Damit sie sich mit irgendwas beschäftigen könnte, damit sie sich nicht langweilt. Jeden Abend wäre ich also (wenn ich nicht gerade irgendwo in Indien Michael Jacksons neuesten Videoclip drehen müßte) zuhause und meine Frau käme aus ihrem Laden himmlisch duftend nach Hause. Meinen Hals würde sie küssen, während ich auf meinem Schlepptop tippte: “Ort: Key West, Golfplatz, Driving Range. Kamera nähert sich Timothy (Keanu Reeves). Von links kommt Janette (Meg Ryan) ganz aufgeregt.“

Und meine Frau würde diese Zeilen lesen und bekäme einen Eifersuchtsanfall: “Schon wieder diese Meg Ryan, was!?“
Ich möchte in einem Blumenladen arbeiten. Ich bin ein Mann. In irgendeinem Blumenladen, nur nicht in dem an der Csapos utca, weil dort fährt alle zwei Wochen ein Auto in die Auslage.

Man muß wissen, wo man einen Blumenladen aufmacht – niemals am Eck, niemals in einer Kurve. Weil dann steht plötzlich ein Bus im Fenster, viele Blumenstängel brechen, mehrere hunderte Tote, eine unvorstellbare Zahl Verletzter.

Am besten wär’ ein eigener Blumenladen. Ich mag Blumen, doch trotzdem würde ich nie behaupten, daß ich ein guter Mensch bin. Ich mache meine Arbeit, am Donnerstag und Freitag voller Eifer, an den übrigen Tagen ordentlich. Meine Frau ist Sozialarbeiterin. Jeden Abend kommt sie heim, voller Zuneigung, Liebe; und ehrlich, ganz ehrlich will sie wissen was am Tag mit mir wohl so alles passierte. Gäbe es diese aufrichtige Neugierde nicht mehr, mir würde das sofort auffallen. Auch sie liebt Blumen, und außerdem ist sie ein guter Mensch.

Im Büro hab ich meine Sachen gepackt. Die Daten von meinem Computer hab ich auf eine CD gebrannt, nicht weil ich sie irgendwann einmal brauchen könnte. Aus bloßer Bosheit. (Ich kann kein guter Mensch sein!?) Es ist untersagt, Daten aus dem Gebäude zu bringen. Dieses Verbot bezieht sich im Besonderen auf jene Angestellten, deren Name nicht mehr auf der Anwesenheitsliste an der Rezeption zu finden ist. Mit der Unterschrift ist jeden Morgen zu bestätigen: “Grüß Euch, ich bin dahaa!“ Auch an jenem Tag kam ich, wollte unterschreiben: “Grüß Euch, ich bin dahaa!“ Doch ich konnte nicht. Ich stand nicht auf der Liste. “Die haben Dich vergessen“, und der Portier schaute mich erstaunt an, und auch ich hielt das für am wahrscheinlichsten. Im Lift traf ich Michi, der mich erstaunt musterte, als ob ich mich als Hahn verkleidet hätte: “Du? Hier?“

Man hatte mich also hinausgeschmissen. Hätte mich interessiert warum, hätten sie sich (die Chefetage) sicherlich irgendeinen Grund ausgedacht. Doch ich verschonte sie vor peinlichen zwei Minuten des Stotterns.

Das Problem ist, daß ich ungeschickt bin. Ich kann alleine keine Schleife binden, ich brauche noch jemanden dazu, der seinen Finger auf den Knopf hält. In einem Blumengeschäft muß man aber Schleifen binden können. Die Blumen kenne ich – im großen und ganzen. Am liebsten hab ich die Schwertlilie, die hab ich noch als Kind, in meiner Ritterzeit, lieben gelernt. Am liebsten zeichnete ich Baron Münchhausen, Hunde und Schwertlilien. Mein Repertoire erweiterte sich später um einen einzigartigen Roadrunner und – einige erinnerte er an unseren Zeichenlehrer – um den Zeichentrickhelden meiner Kindheit: Gorilla Magilla. (Ich versuchte mich auch an anderen Zeichentrickfiguren, doch konnte ich keine davon mit so einer Hingabe, so aus vollem Herzen zeichnen wie Münchhausen, weil ich vielleicht genauso abgeklärt war und gerne flunkerte.)

Ich mag auch Rosen. Wenn ich aber an sie denke, dann hab ich auch immer diese Hausierer im Sinn, die die Restaurants stürmen mit ihren Körben, und dann bin ich immer sofort schlechter Laune. Schade, daß alle in Trachten und im roten Wartburg vorfahren.

Das Löwenmaul ist eine klasse Sache. Wenn gerade keiner im Geschäft wäre, würde ich – in Gedanken – das Blumenmaul auf- und wieder zumachen. Und dann würde ich ihnen das eine oder andere in den Mund legen, ins Maul stecken und würde mit ihnen sprechen, und sie würden antworten. Ein duftender Arbeitsplatz, voller liebenswürdiger Blumen.

“Darf’s auch ein bißchen Grün sein? … Ein wenig Grün gefällig? … ein bißchen was Grünes, Madame?“ Ich rolle diese ungewohnten Phrasen im Mund hin und her, übe mich in der Sprache der Blumenverkäufer. Und ich glaube, ich hätte ein sehr gutes Gefühl, wem man welchen Strauß zusammenstellen muß. Vom unsensiblen, nur aus taktischen Gründen Blumen kaufenden Mann bekäme ich Schweißausbrüche. “Einen schönen Strauß um viertausend!“ Na, so einer bekäme genau das von mir, was er verdiente.

Ein nicht alltäglicher Blumenladen: mit einem männlichen Floristen. Sowas gibt’s ganz selten.

Meine Frau kam nach Hause. Sie lächelte, wie sie es immer tut. Sie wunderte sich, daß ich schon zu Hause war. “Na, Dings“, brummte ich, “sie haben mich nach Hause geschickt“. Sie begann zu erzählen, was mit ihr im Laufe des Tages alles geschehen war, dadurch gewann ich ein bißchen Zeit. Wo sie überall gewesen war und wie es diesem und jenem ginge. “Dem Donáti Gustav geht’s schon besser, die Éva Néni geht schon ganz allein aufs Klo.“

“Und was ist mit dir gewesen?“ fragte sie.

Nach einer kurzen Pause antwortete ich ihr mit einer Frage: “Was würdest du sagen, wenn wir einen eigenen Blumenladen aufmachten?“

Aus dem Ungarischen von Clemens Prinz.

Von Redaktion

2 Gedanken zu „Der Blumenladen“

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