Berge gibt es in Ungarn zwar eher wenige, wandern lässt es sich aber trotzdem ganz gut.

Historisch hat das Wandern auch in Ungarn in den Bergen begonnen, und zwar so um 1615, als der Geograf und (wie das damals so üblich war) Polyhistor Dávid Frölich die Gipfel der Hohen Tatra erkundete und seine Eindrücke schriftlich festhielt. Praktischerweise muss man aber für eine Tageswanderung im Grünen nicht gleich in die Tatra fahren.

Wanderkarten gibt’s von Carthographia und von Szarvas térképek (erhältlich in grösseren Bücherläden und in Webshops). Der ungarische Wanderverein hat zwar eine eigene App (ungarisch), aber ich bevorzuge Open Streetmap für Android. Hier muss allerdings die Wanderkarte (Datei TuraReteg.sqlitedb auf https://turistautak.openstreetmap.hu/letoltesek.html) separat heruntergeladen, in den Ordner „Tiles“ kopiert und schliesslich in der App als Overlay-Karte aktiviert werden. Für die Planung am Computer nutze ich die Online-Version auf https://turistautak.openstreetmap.hu/turautvonal.php, die aber ebenfalls auf Ungarisch ist (Karte vergrössern, den Anfangspunkt in die Karte klicken, weitere Punkte der Reihe nach eingeben, am Schluss auf der linken Seite die Route als track.gpx herunterladen).

Wanderwege werden mit Farben und Symbolen (meistens auf Baumstämmen, Zaunpfählen und Strommasten) gekennzeichnet. Auf älteren Karten und in manchen Apps werden die Farben durch Buchstaben ersetzt (K=kék=blau, P=piros=rot, Z=zöld=grün, S=sárga=gelb). Ohne zusätzliches Symbol ist immer der „Streifen“ gemeint, mit dem die Hauptwanderwege gekennzeichnet sind. Mit einem + bezeichnete Wege (also z.B. „S+“) verbinden Hauptwanderwege miteinander, Punkte meist ebenso, L-Wege führen zu Burgen, Dreiecke meist auf „Berg“spitzen, leicht offene Kreise zu Quellen (wo entweder Trinkwasser, ein trübes Rinnsal oder gar nix fliesst), Ω zu Höhlen und Quadrate zu bewohnten Gebieten oder ÖV-Haltestellen. Lehrpfade werden mit einem T gekennzeichnet. Ausnahmen bestätigen die Regel: Auch „Streifen“ können plötzlich auf einen schmalen Pfad durchs Dickicht führen.

Für diejenigen, denen ein schöner Tag, das Wissen um die eigenen sportliche Leistung und müde Füsse als Motivation nicht ausreichen, gibt’s festgelegte Routen, auf denen man Stempel sammeln kann (das Wanderzeichen „Stempel“, das wie ein umgekehrtes T aussieht, führt dich die letzten paar Meter zum Stempelkästchen, das gegebenenfalls auch in einer Gaststätte oder im Bahnhofsgebäude zu finden sein kann). Die bekannteste dieser Routen ist die Blaue Landestour, die vom Geschriebenstein an der österreichischen Grenze über knapp 1200 km nach Hollókő führt und Teil des Europäischen Fernwanderwegs E4 ist.

Noch ein paar Tipps:

  • Auch wenn die Berge hier nicht so wuchtig sind: mit stabilem Schuhwerk (am Besten leichte Wanderschuhe mit griffiger Sohle) wandert’s sich viel besser. Auf unerwartete Wetterumschwünge muss man sich aber nicht unbedingt einstellen (es sei denn, der Wetterbericht ist anderer Meinung).
  • Nimm genügend Wasser mit, vor allem im Sommer, auch wenn auf der geplanten Route eine Quelle sein soll.
  • Es gibt Zecken im Unterholz (Lyme-Borelliose, Hirnhautentzündungen), also: zieh‘ dich an und nimm ein Zecken-Mücken-Spray mit.
  • Wenn du keine Rundwanderung machst und mit dem Auto hinfährst: schau‘ den Busfahrplan im Voraus an (www.menetrendek.hu). Busse fahren besserenfalls einmal pro Stunde (öfter: seltener – ausser zu Pendlerzeiten), und der letzte fährt manchmal schon um 18 Uhr.

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